Typische Arbeitsabläufe

Auf den folgenden Seiten sind typische Arbeitsabläufe zwischen Architekten und drei anderen Berufsgruppen beschrieben: Statiker, Haustechnik und Energieanalyse-Techniker.

Typischer Architektur – Tragwerksplanung Arbeitsablauf

Typischer Architektur – HKLSE Arbeitsablauf

Typischer Architektur – Energieanalyse Arbeitsablauf

Typischer Architektur – Tragwerksplanung Arbeitsablauf

Dieser Abschnitt enthält eine allgemeine Beschreibung der typischen Punkte, die zu berücksichtigen sind, wenn Daten zwischen ARCHICAD und einer Statikapplikation ausgetauscht werden sollen.

Für weitere Informationen, siehe auch Detaillierte Arbeitsabläufe: Architektur – Statik.

Tragwerksapplikationen lassen sich nach folgenden Hauptkategorien unterscheiden:

Analyse- und Planungs-Applikationen

Diese Programme führen Statik- und Planungsberechnungen (Stahl, Stahlbeton, Holz etc.) auf der Basis verschiedener Techniken (wie der Finite-Elemente-Methode) durch und dokumentieren sie.

Bauplanung/Baukoordination

Diese Applikationen führen grundlegende Aufgaben durch und sorgen für die Verbindung zwischen den Analyse-Programmen und der Architektur.

Konstruktiver Ingenieurbau

Diese Anwendungen erstellen eine detaillierte Planung der Gebäudestruktur (Stahl, Stahlbeton, Fertigteile etc.) und besitzen Schnittstellen zur Fertigung.

Manche Applikationen decken mehrere dieser Funktionen ab.

Dieses Diagramm beschreibt den allgemeinen Arbeitsablauf für den Datenaustausch zwischen ARCHICAD und einer Statikapplikation:

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Die umfassendste Stufe der Interoperabilität wird – im Gegensatz zu einer Zeichnungsdarstellung – mit einer intelligenten 3D-Modellverbindung erzielt. Dabei bildet das auszutauschende Gebäudemodell 3D-Strukturobjekte (Decken, Wände, Stützen, Unterzüge, Dächer etc.) mit spezifischen, definierten Attributen und Eigenschaften ab.

Der modellbasierte Austausch zwischen dem Architekten und dem Statiker kann einem von zwei möglichen Konzepten folgen:

Verwalten eines Referenzmodells oder

Konvertieren des Modells in native Formate.

Das Referenzmodell-Konzept gewährleistet die “Sicherheit” des Architekturmodells und der Strukturmodelldateien, da jedes Büro für sein eigenes Modell verantwortlich bleibt. Der Tragwerksplaner erhält somit eine Datei vom Architekten, aber er verändert sie nicht, sondern nutzt die Architekturdaten als Basis für den Aufbau seines eigenen Strukturmodells. Dieser Vorgang erfolgt manuell mit den Werkzeugen seiner eigenen Software. Zur Beschleunigung des Prozesses stehen jedoch auch automatische Elementkonvertierungsprogramme zur Verfügung. Ebenso lässt der Architekt die vom Statiker erhaltene Datei unverändert, aber berücksichtigt die darin enthaltenen Empfehlungen zur Modellierung der tragenden Elemente. Auf diese Weise ist die eigene Datei der jeweiligen Disziplin unabhängig von der als Referenz erhaltenen Datei.

Dies ist häufig ein sehr sinnvoller Arbeitsablauf, wenn sich das Modell des Architekten von dem des Statikers unterscheidet. Beim Modellieren eines mehrgeschossigen Gebäudes kann der Architekt beispielsweise die erste Planung auf einer Stütze aufbauen, die durch sämtliche Geschosse verläuft, während der Statiker auf jedem Geschoss eine separate Stütze einsetzt. In einem anderen Beispiel nutzt der Architekt eine massive Decke zum Modellieren eines Bereichs, für den der Statiker oder der Konstrukteur eine Spannbetonhohldecke verwenden würden.

Der andere Ansatz des modellbasierten Austausches ist die Umwandlung der Modellelemente der jeweils anderen Seite in ein natives Format der eigenen Applikation. Das Modell wird gemäß den Spezifikationen des Empfängers umgewandelt, sodass die ursprüngliche Version des Modells nicht beibehalten wird. Dieser Ansatz ist besonders typisch für den Datenaustausch zwischen Architektur- und Analyseprogrammen.

Siehe auch Analyse-Applikationen, unten.

ARCHICAD kann die Vorteile der beiden Ansätze miteinander verbinden. Das vom Tragwerksplaner erhaltene 3D-Modell wird – unabhängig von der für den Import verwendeten Methode – immer in native ARCHICAD-Elemente umgewandelt. Gleichzeitig können die importierten Elemente als Referenz verwendet werden, da sie automatisch auf ihren eigenen, geschützten Ebenen (die gesperrt sind, um ein Bearbeiten zu verhindern) platziert werden können. Dieser Referenzmodell-Ansatz wird auch von den Arbeitsabläufen zum Dazuladen und Verknüpfen unterstützt.

Siehe Dazuladen vs. Verknüpfen vs. Öffnen.

Die Eingangselemente oder -modifikationen werden in ein natives Format umgewandelt und somit zu einem aktiven Teil des Architekturmodells, behalten jedoch ihre Eigenschaften (z. B. Material, Profil) bei, die ihnen im Strukturmodell zugewiesen wurden.

Die zwischen den Disziplinen Architektur und Tragwerksplanung ausgetauschten 3D-Modelle können drei Kategorien zugeordnet werden:

Architekturmodell

Strukturmodell,

Analysemodell

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Der Architekt arbeitet auf der Basis seiner eigenen Planung und den Anforderungen des Kunden am Architekturmodell. Bereits in der Planungsphase sollte der Architekt daran denken, dass das Modell später mit einem Statiker ausgetauscht wird

Siehe Architekturmodell für den Export vorbereiten.

Er kann beispielsweise die tragende Funktion der Bauelemente festlegen, die anfänglich zu verwendenden Materialien definieren, Stützen und Unterzüge mit Standardprofilen auswählen oder den tragenden Kern von Mehrschichtelementen definieren.

Siehe Klassifizierung für IFC.

Zusätzlich zu diesen vorbereitenden Arbeiten kann er das Modell filtern, um die auszutauschenden Daten einzugrenzen. Auf diese Weise wird nur das Strukturmodell, das nur Strukturelemente enthält, exportiert. Natürlich kann der Architekt das gesamte Architekturmodell exportieren, sofern das Programm des Statikers in der Lage ist, die Modelldaten, die dieser benötigt, zu filtern und separat zu erfassen.

Das Exportieren eines Strukturmodells aus ARCHICAD reicht für den Datenaustausch mit den meisten Tragwerksprogrammen (der Typen “Koordination” und “Konstruktion”) aus. Analyse- und Dimensionierungssoftware erfordert jedoch zur Durchführung ihrer Berechnungen das so genannte Analysemodell. Diese Applikationen können häufig selbst das Strukturmodell in ein Analysemodell umwandeln, oder sie können das von einem Koordinations- bzw. Konstruktions-Programm umgewandelte Analysemodell als Grundlage verwenden.

Ein Analysemodell ist eine 2D- oder 3D-Darstellung des Strukturmodells, die nicht nur Flächen (im Fall von Wänden, Decken, Dachelementen) und Achsen (Stützen und Unterzüge) von Elementen umfasst, sondern auch ihre Struktureigenschaften (z. B. Steifheit, Material, Profil). Das vereinfachte Analysemodell unterscheidet sich auch geometrisch vom Strukturmodell. Gebogene Oberflächen werden beispielsweise aus mehreren geraden Segmenten gebildet und Elementverschneidungen können verändert sein.

Das Exportieren und Importieren von 3D-Modelldaten erfolgt häufig mithilfe des Standards IFC (Industry Foundation Classes), der von zahlreichen Planungsapplikationen aktiv unterstützt wird. Darüber hinaus bieten viele Applikationen native Add-Ons für den Datenaustausch mit anderen spezifischen Programmen.

Siehe Arbeiten mit IFC.

Um den IFC-basierten Datenaustausch zu verbessern und zu erleichtern, kann das BIM Collaboration Format (BCF) genutzt werden. Dieses Format ermöglicht es, den IFC-Modellelementen Kommentare hinzufügen. Dadurch können die anderen Nutzer sehr einfach die referenzierten Elemente in dem IFC-Modell erkennen. Der BCF-basierte Datenaustausch eignet sich besonders dazu, Überschneidungen (z. B. Kollisionen, Modellierungs- und andere Fehler) zu identifizieren, die entstehen, wenn mehrere Modelle aus verschiedenen Applikationen in einem Programm (z. B. ARCHICAD oder einem Modell-Checker) zusammengefasst werden.

Siehe Arbeitsabläufe zur Verwendung von BCF im Projektmarker.

Einige Ingenieure bzw. deren Applikationen (insbesondere Analyse-Software) tauschen Daten nur auf dem niedrigsten Level aus: Sie importieren CAD-Zeichnungen (d. h. die Linien und Punkte, die Grundrisse, Schnitte und Ansichten darstellen) und verwenden sie als Referenz für den Aufbau des Analysemodells.

(Weitere Details finden Sie unter CAD-Zeichnungen.)

Modelle und Zeichnungen werden häufig von zusätzlicher Dokumentation begleitet, beispielsweise Empfehlungen oder Berichten. Das gängigste Format für diese Dokumentationen ist PDF.

ARCHICAD enthält eine Reihe von Verfahren zum Anzeigen des Strukturmodells und zum Unterscheiden dieses Modells vom Architektentwurf.

Siehe Visualisierung des importierten Inhalts.

Außerdem kann ARCHICAD die importierten Strukturdaten wie beispielsweise die vorgeschlagenen oder genutzten Materialien sowie die Eigenschaften von Profilelementen interpretieren und speichern.

Siehe Importierte Eigenschaften.

Abstimmung und Datenaustausch zwischen Tragwerksplanungs- und Architekturbüros erfordern im Allgemeinen mehrere “Umläufe”. ARCHICADs Transparentpause und ein modellbasiertes Änderungsmanagement helfen, diesen Prozess transparent zu halten.

Siehe IFC-Modell-Änderungen ermitteln.

Dieser allgemeine Architektur-Tragwerksplanung-Arbeitsablauf wird in den nachfolgend beschriebenen Beispiel-Arbeitsabläufen ausführlicher erläutert. Diese Abläufe umfassen den Austausch von Modelldaten zwischen ARCHICAD und ausgewählten Statikapplikationen.

Typischer Architektur – HKLSE Arbeitsablauf

Dieser Abschnitt enthält eine allgemeine Beschreibung der Punkte, die zu berücksichtigen sind, wenn Daten zwischen ARCHICAD und einer HKLSE-Applikation ausgetauscht werden sollen.

Der erste Schritt des Datenaustauschs zwischen ARCHICAD und einer externen HKLSE-Software ist der Export des Architekturmodells. Zur Optimierung des Datenaustauschs exportieren Sie nur die Bauelemente und Informationen, die der HKLSE-Ingenieur benötigt (z. B. tragende Strukturen, Elemente der Gebäudehülle, Raumbegrenzungen, Platzierung der Lichtquellen, feste Ausstattung und Einbaumöbel, abgehängte Decken, Raumkategorien und -nummerierung).

Für HKLSE-Fachplaner, die in einer 2D-Planungsumgebung arbeiten, erstellen Sie DWG-Dateien aus dem ARCHICAD-Modell. Vorzugsweise tun Sie dies über ein Publisher-Set mit vorkonfigurierten Einstellungen, um eine einfach wiederholbare Dokumentation des aktuellen Projektstatus zu ermöglichen.

Verwenden Sie zur Bereitstellung von Daten für Ingenieure mit HKLSE-Software die übersetzerbasierte IFC-Datenaustauschfunktion von GRAPHISOFT.

Die Architekturdaten, die von ARCHICAD in der HKLSE-Software bereitgestellt werden, werden dort als externe Referenz verwendet. Benutzern von 2D-HKLSE-Software wird empfohlen, die Architektur-DWGs als XREFs einzubinden, während Benutzer von modellbasierter HKLSE-Software einen Projekt-Link erstellen sollten.

Aus 2D-Planungsumgebungen kommen HKLSE-Daten als DWG-Daten (einschließlich eines Konstruktionsrasters) und werden als XREF oder als Zeichnung im ARCHICAD-Gebäudemodell platziert. Daten aus modellbasierten HKLSE-Programmen kommen im IFC-Format über software-spezifische, von GRAPHISOFT oder dem Hersteller der HKLSE-Software entwickelten Export-Erweiterungen an. Dies ermöglicht eine nahtlose Planungsintegration.

Benutzer des GRAPHISOFT HKLSE Modeller können Objekte ändern, die aus AutoCAD MEP und Revit MEP importiert wurden, da externe HKLSE-Elemente, die über IFC-Dateiimport importiert wurden, automatisch in native GRAPHISOFT HKLSE-Modeller-Objekte übersetzt werden. ARCHICAD-Nutzer ohne gültige Lizenz eines GRAPHISOFT HKLSE-Modellers empfangen solche Objekte als individuelle ARCHICAD-Objekte (Bibliothekselemente).

Weitere Informationen finden Sie unter Detaillierte Arbeitsabläufe: Architektur – HKLSE.

Um den IFC-basierten Datenaustausch zu verbessern und zu erleichtern, kann das BIM Collaboration Format (BCF) genutzt werden. Dieses Format ermöglicht es, den IFC-Modellelementen Kommentare hinzufügen. Dadurch können die anderen Nutzer sehr einfach die referenzierten Elemente in dem IFC-Modell erkennen. Der BCF-basierte Datenaustausch eignet sich besonders dazu, Änderungen oder Kollisionen (z. B. zwischen Architektur- und tragenden Elementen) zu markieren. Neben ARCHICAD unterstützen auch viele andere Applikationen die BCF-basierte Zusammenarbeit.

Siehe Arbeitsabläufe zur Verwendung von BCF im Projektmarker.

Typischer Architektur – Energieanalyse Arbeitsablauf

Energiebewertung ist eine in ARCHICAD integrierte dynamische Funktion zur Energiebilanz-Simulation, die dem Architekten die Möglichkeit gibt, exakte Gebäude-Energiebewertungen durchzuführen.

Sie können ARCHICAD Gebäudegeometriedaten auch über Formate wie IFC oder Excel in externe Software-Werkzeuge zur Energieanalyse exportieren. Verwenden Sie die ARCHICAD-Funktion Sichern als IFC oder die Geometriedaten-Seite des XLS Energieeffizienzberichtes, um Daten, die für die externe Energieberechnungs-Software benötigt werden, aus dem Architekturmodell zu extrahieren.

Da der Energieexperte eine schriftliche Dokumentation erzeugt und nicht das BIM-Modell modifiziert, wird das Importieren der Ergebnisse zur Energieanalyse aus externen Applikationen zurück in die ARCHICAD-Umgebung nicht unterstützt.

Weitere Informationen finden Sie unter Detaillierte Arbeitsabläufe: Architektur – Energieanalyse.