Autodesk Revit Structure

Autodesk Revit ist eine Softwarelösung für Statiker. Es bietet spezielle Werkzeuge für die Tragwerkentwicklung. Sie verknüpft ein physisches Modell mit einem unabhängig editierbaren Analytikmodell zur Strukturanalyse, Planung und Dokumentation.
Neben IFC kann ein BCF-basiertes Problemmanagement (z. B. Konflikterkennung, Eigenschaften-Änderungen etc.) ausgeführt werden zwischen Revit und ARCHICAD. Revit unterstützt den BCF-Workflow über Add-Ins anderer Anbieter wie beispielsweise das von Kubus entwickelte.
Wir schlagen Ihnen folgenden Arbeitsablauf für den Architektur-Statik-Modellaustausch zwischen ARCHICAD und Revit (Version 2010 oder neuer) vor. Auch wenn beide Softwarelösungen 2D-CAD-Zeichnungen nutzen können, legen wir hier den Schwerpunkt auf den modellbasierten Datenaustausch über IFC (Version 2×3).
Anmerkung: Wenn Sie ein Video (in englischer Sprache) zum empfohlenen ARCHICAD-Revit Structure-Arbeitsablauf und seinen Optionen sehen möchten, dass auf einem realen Beispiel beruht, gehen Sie zu:
http://www.graphisoft.com/archicad/open_bim/structural_workflows/.
Scrollen Sie anschließend zu: ARCHICAD – Revit Structure Workflow.
Schritt 1: Modell-Export aus ARCHICAD
Beginnen wir mit dem Architekturmodell: Als Architekt erstellen Sie das erste Modell gemäß den Anforderungen des Kunden und dem vorgegebenen Baugrund.
Beim Aufbau des Architekturmodells sollten Sie daran denken, dass Sie vorhaben, es mit einem Statiker auszutauschen. Sie können beispielsweise die Klassifizierungsoptionen in ARCHICAD verwenden, um die tragenden Elemente zu unterscheiden, die Elemente in spezifischen Ebenen zu platzieren und/oder die anfänglichen Profile und Materialien der Elemente wie beispielsweise Stahlträger (Stütze und Unterzug) zu definieren.
Anmerkung: Revit kann zwischen “tragenden” und “nicht tragenden” Gebäudeelementen unterscheiden (in den Elementeigenschaften und durch Anzeige der Disziplinen). Diese Informationen können zunächst mit der ARCHICAD-Klassifizierung der “Tragenden Funktion” definiert werden, deren Werte in die IFC-Datei übersetzt werden und in Revit wie folgt erkannt/bearbeitet werden können:
Wenn Sie Ihr Architekturmodell auf diese Weise erstellen, brauchen Sie beim Exportieren des Modells nach IFC lediglich bestimmte Filter anzuwenden. Darüber hinaus können Sie neben den Exportoptionen auch “Alle sichtbaren Elemente exportieren” auf allen Geschossen auswählen; diese ist eine weitere Möglichkeit, die Elemente für den Export zu filtern: Verwenden Sie beispielsweise die ARCHICAD-Funktion Strukturdarstellung, sodass nur die Kerne der mehrschichtigen Elemente sichtbar sind. Oder verwenden Sie die Modelldarstellung, um anstelle von Türen und Fenstern nur Öffnungen anzuzeigen und diese zu exportieren, sodass Rahmendetails und andere nicht erforderlichen Daten entfallen.
Es empfiehlt sich außerdem, das (mit dem Rasterelement- und dem Rastersystem-Werkzeug erstellte) Rastersystem in die IFC Daten als Referenzbasis für die 3D-Elementpositionierung mit einzubeziehen.
ARCHICAD bietet einen integrierten Übersetzer, dessen Einstellungen für den Export von Modellen nach Revit über IFC 2×3 optimiert ist. Der Name dieses Übersetzers lautet “(Datenaustausch mit) Revit Structure”. Natürlich können Sie Ihre eigenen individuellen Übersetzer gemäß Ihren spezifischen Anforderungen definieren.
Weitere Möglichkeiten zum Filtern von Elementen beim Export-Prozess:
nach der Sichtbarkeit der Elemente in der Ansicht, von der aus der Export gestartet wird,
nach der aktuellen Elementauswahl,
nach Geschoss (z. B. nur EG),
nach Elementtypen (z. B. nur Stützen und Unterzüge),
nach ihrer tragenden Funktion (z. B. nur “Tragende Elemente”).
Oder Sie können das gesamte Modell ohne jede Filterung exportieren. Die Standard-Filterungsregeln der Übersetzer können auch während des Exportprozesses (Ablage > Sichern als (IFC)) noch angepasst werden.
Weitere Details finden Sie unter Modell-Filter.
Hinweise:
Beim Einrichten des Übersetzers für Revit Structure können Sie die Einordnung der ARCHICAD-Elemente nach ihrer tragenden Funktion berücksichtigen. Wenn der Modell-Elementfilter des Übersetzers auf “Nur tragende Elemente” eingestellt ist, werden nur die in ARCHICAD als “Tragend” definierten Elemente exportiert.
Umgekehrt werden beim Importieren aus Revit nur Elemente, die in Revit als “Tragend” klassifiziert sind, in ARCHICAD importiert. Wenn es in ARCHICAD keine Klassifizierung auf Elementebene gibt, oder wenn Sie alle Elemente aus Revit (einschließlich der nicht-tragenden Elemente) importieren wollen, wählen Sie für den Modell-Elementfilter des Übersetzers die Einstellung “Alle Elemente”.
ARCHICAD-Freiflächenelemente können in Revit nur importiert werden, wenn sie vom Übersetzer als “geometrisches Set” (Drahtmodell) konvertiert wurden.
Wenn Sie 2D-Elemente (z. B. Bemaßungen, Texte, Etiketten, Linien, Kreise etc.) beim Exportieren des 3D-ARCHICAD-Modells über IFC einbeziehen wollen, müssen Sie diese Funktion im Übersetzer aktivieren.
Verwenden Sie das IFC-Format im ARCHICAD Publisher zum Exportieren der erforderlichen Ansichten mit einem Klick.
Schritt 2: Importieren des Modells in Revit
Die Statiker erhalten das Modell vom Architekten und öffnen seinen gesamten Inhalt als ein neues Revit Structure-Projekt. Das Programm wandelt alle Elemente gemäß der verwendeten IFC-Zuweisungstabelle in Elemente des Revit-Typs um. Vor dem Importieren eines ARCHICAD-Modells kann der Statiker die Standard-Importeinstellungen, mit denen den IFC-Elementtypen Revit -Kategorien und Subkategorien zugewiesen werden, ändern.
Beispiel: ARCHICAD-Fundamentobjekte (IfcFooting) können in Revit als “Strukturbasis-Elemente” statt als “Allgemeine Modellelemente” geladen werden.
Beachten Sie: Auch wenn es für die Umwandlung von ARCHICAD-Elementen in IFC-Elemente eine Standard-Zuweisungsregel gibt, ermöglicht die ARCHICAD-Klassifizierung eine Anpassung dieser Umwandlung auf Elementebene für den IFC-Export. Wenn Sie beispielsweise das Wand-Werkzeug zur Modellierung eines Unterzugs verwenden, können Sie das (Wand-)Element als Unterzug (IfcBeam) nach Revit exportieren.
Wenn der Tragwerksplaner ein ARCHICAD IFC-Modell importiert, werden eventuell Warnungen und/oder Fehlermeldungen bzgl. der Einschränkungen von Revit hinsichtlich des exakten Einlesens von IFC-Daten angezeigt (z. B. beim Importieren von ARCHICAD-Raumflächen und Rastern). Um diese Meldungen weitestgehend zu vermeiden, hat GRAPHISOFT ein Revit Add-in unter dem Namen “GRAPHISOFT ARCHICAD Verbindung” entwickelt, dessen “Verbesserter IFC-Import”-Funktion eine Reihe dieser bekannten Schwachstellen des Standard-Öffnungsprozesses korrigiert.
Nach dem Importieren von ARCHICAD in Revit werden bestimmte importierte Elementtypen standardmäßig ausgeblendet. Diese Daten sind nicht verloren. Der Statiker muss lediglich einige Anzeigeeinstellungen für Revit-Grundrisse und 3D Ansichten anpassen.
Beispiele:
In Revit importierte Architektur-Wände (Wände, deren ARCHICAD-Klassifizierung auf “Nicht definiert” oder “Nicht-tragendes Element” eingestellt waren), werden in der Disziplin-Ansicht “Tragwerk” in Revit Structure ausgeblendet. Der Statiker muss die Anzeigeeinstellungen ändern, um diese Wände sehen zu können.
In Revit importierte Stützen-, Treppen-, Dachflächen- und Belagselemente werden in 3D-Ansichten automatisch ausgeblendet. Der Statiker kann sie mithilfe der Einstellung Sichtbarkeit/Grafiken oder Werkzeugen wie dem Befehl Ausgeblendete Elemente einblenden sehr einfach wieder einblenden.
Die Statiker erstellen das Strukturmodell und seine Details basierend auf den importierten Modellelementen und ihren Elementeigenschaften (Materialien, Profile), wie sie vom Architekten zugewiesen wurden.
Anmerkung: Bei Verwendung des Referenzmodell-Konzepts können die Statiker das importierte IFC-Modell als separate Revit-Datei (RVT) sichern und es einem laufenden Revit Structure-Projekt als Referenz zuweisen, um seinen Inhalt zu schützen.
Revit kann auch analytische Modelle aus dem Strukturmodell erstellen und diese mit Analyse-Applikationen teilen, die Analysen und Dimensionierungsberechnungen ausführen. Basierend auf den Ergebnissen der Analyse und der Entwurfsberechnungen wird das Strukturmodell fertiggestellt.
Schritt 3: Strukturmodell-Export aus Revit
Das Strukturmodell kann über IFC wieder zurück in ARCHICAD exportiert werden.
Vor dem Exportieren eines Revit strukturell-Modells in IFC kann der Statiker die Standard-IFC-Exporteinstellungen, mit denen die Instanzen allgemeiner Familien den IFC-Elementtypen zugewiesen werden, ändern. Tragwerksversteifungen können beispielsweise als “IfcBeam” exportiert und dann als reale ARCHICAD-Unterzüge verwendet werden.
Das Revit Add-In “GRAPHISOFT ARCHICAD Verbindung” (mit seiner Funktion Zu ARCHICAD exportieren) wurde ebenfalls entwickelt, um die Schwächen dieses Revit IFC-Modellaustauschs nach ARCHICAD zu beheben.
Die folgende Tabelle zeigt die durch die Standardwerkzeuge von Revit Structure dargestellten Elemente, aus denen das Strukturmodell normalerweise besteht. (Dies ist keine vollständige Liste aller Revit-Elemente, aber ARCHICAD importiert sämtliche Elemente.)
Schritt 4: Importieren des Strukturmodells in ARCHICAD
Je nach der gewählten Importmethode können Sie das Strukturmodell oder einen Teil davon zu Ihrem laufenden Projekt dazuladen oder damit verknüpfen.
Wir empfehlen die Verwendung des Standard-IFC-Übersetzersets für Revit Structure. Dies ist der gleiche Übersetzer, den Sie zuvor zum Exportieren verwendet hatten. Natürlich können auch angepasste Übersetzer- und Filtereinstellungen verwendet werden.
In ARCHICAD werden die importierten Elemente standardmäßig auf gesperrten Ebenen mit der Erweiterung “Revit Structure” platziert.
Tragende Elemente können über die spezielle Sichtbarkeitssteuerung von ARCHICAD zusammen mit dem Architekturmodell angezeigt werden. Sie können beispielsweise mit dem Transparentpausen-Werkzeug das aktuelle Modell und den konstruktiven Inhalt als zwei verschiedene 2D-Ansichten vergleichen.
Architekten können die Hauptstrukturen sowie weitere zusätzliche Eigenschaften nach Element (im Einstellungsdialog der importierten Elemente) oder nach Modellhierarchie (mit dem IFC-Manager) prüfen.
Standardmäßig umfasst der Importprozess auch die Materialumwandlung, die die Revit strukturellen Standardmaterialien in ARCHICAD-Schraffurtypen umwandelt und dabei die ursprünglichen Namen der importierten Materialien beibehält. Natürlich können die Zuordnungsregeln in den IFC-Übersetzereinstellungen einfach bearbeitet und erweitert werden.
Alle nicht erkannten Revit Materialien werden mit einem vorgegebenen ARCHICAD-Baustoff angezeigt.
Schritt 5 und 6: Aktualisieren des Architekturmodells
In ARCHICAD (Schritt 5) können Sie Ihr Projekt entweder mit den importierten Modellelementen manuell aktualisieren, indem Sie diese als Referenz verwenden, oder durch Kopieren und Einsetzen der tragenden Elemente als ARCHICAD-Objekte, da es sich aufgrund der automatischen Umwandlung während des Importprozesses hierbei um bereits um native ARCHICAD-Elemente handelt. (Diese importierten Elemente sind standardmäßig gesperrt.)
Die neueste Version des Architekturprojekts kann jetzt, wie oben beschrieben, wieder mit IFC exportiert werden (Schritt 6).
Schritt 7 bis 10: Aktualisieren des Modells in Revit
Revit öffnet die neue Version des Architekturmodells als ein neues Revit-Projekt (Schritt 7, wie in Schritt 2 weiter oben). Wenn der Statiker das “Verknüpfungskonzept” verwendet, kann er das zuvor verknüpfte Architekturmodell (eine aus IFC gesicherte RVT-Datei) sehr einfach mit dem neuen Modell aktualisieren (Schritt 8) Die Ingenieure können entsprechend der neuen Architekturversion Änderungen am Projekt vornehmen (Schritt 9) und anschließend ein neues Strukturmodell durch Verwendung von IFC an ARCHICAD zurück schicken (Schritt 10).
Schritt 11 und 12: Erkennen der Änderungen in ARCHICAD
In ARCHICAD kann die neu empfangene IFC-Modellversion mit dem Befehl IFC-Modell-Änderungen ermitteln mit der vorherigen Version verglichen werden (Schritt 11).
Das Ergebnis des Vergleichs wird mit dem Projektmarker-Werkzeug aufgelistet und angezeigt und nur die Unterschiede werden in das aktuelle Projekt dazugeladen. Sie können die von Ihrem Statik-Partner empfohlenen Änderungen sehr einfach überprüfen und manuell Änderungen an dem aktuellen Projekt vornehmen, oder Sie können die tragenden Elemente als echte ARCHICAD-Elemente verwenden (Schritt 12).
Schritt 13: Zusätzlicher Datenaustausch/Arbeitsgänge
Statiker wie auch Architekten können diesen Modellaustausch mit Vergleichen und Aktualisierungen in zusätzlichen Arbeitsgängen mehrfach wiederholen. Zum Abschluss erstellen die beiden Disziplinen ihre jeweils eigene oder eine gemeinsame Dokumentation.
GRAPHISOFT ARCHICAD Verbindung
“GRAPHISOFT ARCHICAD Verbindung” ist ein kostenloses Add-in für Revit (Version 2010 oder später; 32- und 64-Bit). Das Add-In verbessert den IFC-modellbasierten Datenaustausch zwischen Revit Applikationen und ARCHICAD:
Funktion
GRAPHISOFT ARCHICAD Verbindung hat zwei Befehle. Der Befehl Verbesserter IFC Import führt eine Nachbearbeitung einer zuvor umgewandelten (importierten) IFC-Datei in Revit durch und korrigiert eine Reihe von bekannten Schwachstellen der Umwandlung des IFC-Modells. Über den Befehl Exportieren nach ARCHICAD werden die Modelldaten von IFC-Modellen mit Optimierung für die Verwendung in ARCHICAD exportiert. ARCHICAD Verbindung hat die folgenden zusätzlichen Funktionen:
Importieren/Exportieren von Rasterelementen: Vollständige Umwandlung von (Ifc-) Rasterelementen beim Exportieren aus und Importieren in Revit.
Importieren von ARCHICAD-Raumflächen: ARCHICAD-Raumflächen (IfcSpaces), die als “Räume” importiert wurden, werden in Revit an der richtigen Stelle angezeigt.
Importieren von ARCHICAD-Decken: Importierte tragende ARCHICAD-Decken werden in Revit als Elemente des Typs “Tragende Geschossdecke” definiert.
Exportieren von Unterzug-/Stützen-Profildefinitionen: Die aus Revit exportierten Profilnamen werden korrekt in das IFC-Format umgewandelt.
Zuweisen des Phasen-Status von Gebäudeelementen zwischen ARCHICAD und Revit Modellen (beim Importieren/Exportieren).
Importieren/Exportieren von 2D-Symbolen der Türen zum Anzeigen ihres Operationstyps in ARCHICAD und Revit.
Die zusätzliche Feinabstimmung von geneigten Stützen, Rampen, Fassaden usw. wird in Revit durchgeführt.
Anmerkung: Das Installationsprogramm für das GRAPHISOFT ARCHICAD Verbindung Add-In kann von der folgenden Site kostenlos heruntergeladen werden:
http://www.graphisoft.com/support/archicad/downloads/interoperability.

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