OPEN BIM – Modellierung in ARCHICAD

von GRAPHISOFT · aktualisiert am 01.8.2014
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Dieses Handbuch gibt Ihnen einen Überblick, welche Einstellungen Sie tätigen müssen, um die besten Ergebnisse im IFC-Datenaustausch zwischen den Disziplinen Architektur, Tragwerk und Gebäudetechnik erhalten.

Dieses Dokument zeigt Ihnen, worauf Sie bei der Modellierung achten sollten, um eine gute Datenübergabe zu erhalten.

Die Einstellungen der jeweiligen Übersetzer behandeln wir in den entsprechenden anderen Dokumenten.

 1.   Grundlagen in ARCHICAD

a.   Modellieren mit 3D-Elementen

Um ein Gebäude richtig exportieren zu können, müssen Sie es korrekt modellieren. Das heißt, das Sie nur mit 3D-Bauteilen arbeiten können, um Elemente in Grundriss, Schnitt oder Ansicht zu erstellen.

Als 2D-Elemente werden nur Anmerkungen wie Texte übernommen, aber gewöhnen Sie sich an, alle Informationen in die Elemente als Parameter einzutragen, denn nur so werden Sie auch übertragen und sind in der anderen Software auswertbar. U-Werte, Brandschutzwerte usw. sollten Sie in die Objekte eintragen, denn nur so können Sie diese über die Listen auswerten und gleichzeitig über den Fensterstempel im Grundriss anzeigen lassen.

Also: Nur 3D Elemente, keine 2D-Werkzeuge wie Linien oder Schraffuren, denn was Sie den Elementen nicht als Parameter/IFC-Eigenschaft mitgeben, wird auch nicht exportiert. Sämtliche Text-Anmerkungen im Grundriss oder Schnitt kommen nicht im IFC-Modell an.

b.  Welche Einstellungen in den Elementen stehen zur Verfügung?

Beim Modellieren in ARCHICAD stehen Ihnen einige Einstellungen in den Werkzeugen zur Verfügung, die Sie beachten müssen, um einen korrekten Export zu gewährleisten. Achten Sie bereits beim Erstellen des Modells auf diese Einstellungen. Notfalls können Sie diese auch später über Suchen&Aktivieren Bauteile noch ändern.

c.   Baustoffe

1 Baustoffe Für eine korrekte Verschneidung der Bauteile benötigen Sie ab ARCHICAD 17 die betreffenden Baustoffe. Ab ARCHICAD 17 erhalten Sie eine umfangreiche Kollektion von Baustoffen, die Sie als Grundlage für Ihr Projekt nehmen sollten.Wichtigste Einstellung bei den Baustoffen ist die Verschneidungspriorität. Hiermit legen Sie fest, wie stark oder schwach ein Baustoff ist, also ob die Schicht durchgeht oder geschnitten wird

d.   Mehrschichtige Bauteile/Komplexe Profile

2 Mehrschichtige Bauteile

Kern/Bekleidung/Andere

In den mehrschichtigen Bauteilen müssen Sie den jeweiligen Schichten einen Komponententyp zuweisen. Es stehen dabei Kern, Andere und Bekleidung zur Auswahl.

  • Kern: grundsätzlich der tragende und wichtigste Teil eines Aufbaus (Hintermauerwerk, Betondecke etc.)
  • Bekleidung: Verputz, Holzschalungen, Beläge, etc. Die Bekleidung kann über die Strukturdarstellung ausgeblendet werden.
  • Andere: Unter Andere versteht man hier alles was weder Kern noch Bekleidung ist, also z.B. Dämmung, Estrich o.ä.
3 Profile Wozu diesen diese Einstellungen? Über die Strukturdarstellung können Sie die Bauteile unterschiedlich darstellen und so z.B. die Bekleidung ausblenden oder nur den Kern darstellen. Die Verschneidungsprioritäten kommen aus den verwendeten Baustoffen. Im Profil-Manager erstellen Sie Bauelemente wie Attikas, besondere Stützen oder andere profilierte Elemente. Legen Sie auch hier wie in den mehrschichtigen Bauteilen Kern, Andere und Bekleidung fest.

 e.   Werkzeug-Einstellungen

Eindeutige IDs

Es ist sinnvoll, wenn Sie die Bauteile eine jeweils eindeutige ID haben, damit man sie später besser identifizieren kann. Nutzen Sie dazu den ID-Manager, wenn Sie die Bauteile später mit einer Nutzer-ID versehen möchten.

4 Tragend

Tragend/Nicht tragend

Unter Kennzeichen und Kategorien müssen Sie festlegen, ob ein Element „tragend“ oder „nicht tragend“ ist.

Diese Einstellungen sind für die Strukturdarstellung wichtig. So können Sie z.B. für den Tragwerksplaner nur den Kern der tragenden Elemente exportieren.

5 Innen aussen

Lage

Da ARCHICAD nicht festlegen kann, ob ein Bauteil innen oder außen liegt, müssen Sie jedem Element diese Information mitgeben. Legen Sie hier z.B. Innen für Innenwände, Innenliegende Stützen oder Räume fest.

6 Klassifizierung

Klassifizierung

Normalerweise sollten Sie die Bauteile auch mit ihren jeweiligen Werkzeugen erstellen (Wände, Decken, Stützen etc). Allerdings gibt es evtl. für ein Bauteil nicht das passende Werkzeug oder ein Werkzeug wie das Objekt-Werkzeug ist zu allgemein für bestimmte Bauteile.

Legen Sie deswegen in der Element-Klassifizierung fest, als was ein Element exportiert werden soll, wenn es nicht dem Werkzeug entspricht. So können Sie z.B. mit dem Wand-Werkzeug auch ein Geländer erstellen.

Eine abgehängte Decke wird mit dem Decken-Werkzeug erstellt, muss aber anders klassifiziert werden.

Wenn Sie das Werkzeug im ursprünglichen Sinn verwenden (z.B. Stütze als Stütze), können Sie „ArchiCAD-Typ“ stehen lassen.

7 Typen

Vordefinierte Typen

Neben den Klassifizierungen können Sie den Elementen noch spezifischere Eigenschaften zuweisen.

Wenn z.B. ein Morph als Fundament klassifiziert wurde, steht Ihnen weiter unten noch die feinere Auswahl (Streifen, Punkt, etc) zur Verfügung, wenn es gewünscht oder benötigt wird.

8 Unterschiede

Unterschiede bei der Klassifizierung

Je nach Austauschprogramm kann es sein, dass Sie (bei Decken, Dächern) die Klassifizierung oder nur die vordefinierten Typen einstellen müssen.

Grundsätzlich sollten Sie zuerst die Klassifizierung einstellen und dann unter den vordefinierten Typen weitere Einstellungen tätigen.

9 Klassifizierung
10 IFC Eigenschaften

IFC-Eigenschaften

Alle Bauelemente können IFC-Parameter aufnehmen und mit übergeben. Um weitere Parameter/Eigenschaften hinzuzufügen klicken Sie im Werkzeug-Dialog auf „IFC-Eigenschaften verwalten“.

11 IFC Werte  Wählen Sie dann im Dialogfenster die gewünschten Werte aus. Die wichtigsten sind AcousticRating (Schallschutz), FireRating (Brandschutz) und ThermalTransmittance (U-Wert).
12 IFC in AC Nach der Bestätigung sind diese Werte auch im Werkzeugdialog und können wie normale ArchiCAD Parameter verwendet werden.

Hinweis: Wir empfehlen generell den Einsatz von Favoriten für Bauelemente und Objekte. Über die Favoriten gehen Sie sicher, dass immer alle Einstellungen auf einen Schlag eingestellt sind.

f.   IFC-Mapping

13 IFC Mapping Für Objekte, Türen, Fenster und Dachfenster empfehlen wir ein automatisches Mapping der GDL Parameter in die betreffenden IFC Werte.Das bedeutet, dass Sie die Werte hier in die Objekte direkt eintragen und die Werte auf die betreffenden IFC-Werte automatisch übertragen werden
14 Kennzeichen Dazu dürfen in dem Tür/Fenster/Objekt-Werkzeug keine IFC-Parameter unter Kategorien angewählt sein.Falls hier IFC Werte stehen (z.B. in einer Datei aus ARCHICAD 16), demarkieren Sie die betreffenden Checkboxen (z.B. unter Pset_WindowCommon, oder Pset_DoorCommon).
15 IFC Eigenschaften Wenn das automatische Mapping schon eingestellt ist (ab ARCHICAD 17), sind die Checkboxen der Parameter, die übertragen werden, ausgegraut und markiert.
16 IFC Optionen Um das automatische Mapping einzustellen, gehen Sie zu Ablage > Datei Spezial > IFC Optionen. Wenn noch keine Konfigurationsdatei angegeben ist, können Sie hier eine anlegen, auswählen oder bearbeiten.
17 Macros Um nicht jedes Objekt einzeln anwählen zu müssen, kann ARCHICAD die Macros der Objekte für das Mapping verwenden. Um zu sehen, welche Macros benutzt werden, klicken Sie im Objekt-Werkzeug auf die Subtype-Ansicht. Sie sehen dann die Namen der verwendeten Macros aus der Bibliothek.
18 Macros Suchen Sie nun in der Konfiguration (Ablage > Datei Spezial > IFC Optionen > Neu… ) nach dem Macronamen. Ein Macro wird wie hier abgebildet mit einem Ausrufezeichen dargestellt.
19 Macros Wählen Sie in der Liste darunter die zu mappenden GDL Parameter und klicken Sie auf Parameter hinzufügen.
20 Mapping In der Liste auf der rechten Seite, müssen Sie nun das eigentliche Mapping festlegen.Unter IFC-Eigenschaften-Set müssen das Pset und unter IFC-Eigenschaft den betreffenden englischen Begriff eintragen.
21 Eigenschaften Die betreffenden Namen finden Sie in den Werkzeugen unter IFC-Eigenschaften:hier z.B. Pset_DoorCommon und AcousticRating.

g.   Wie muss man modellieren?

Einfach gesagt: genauso wie man in der Realität bauen würde. Nutzen Sie die vorhandenen Werkzeuge. Für nicht eindeutige Fälle, weisen Sie dem Bauteil eine andere Klassifizierung zu.

21 Modellierung

Wände

ARCHICAD 17 und später: Modellieren Sie mit mehrschichtigen Bauteilen. Die Bauteile müssen nur miteinander kollidieren, damit ARCHICAD eine korrekte Verschneidung erstellt.

 

ARCHICAD 16: Um den Deckenanschluss korrekt zu modellieren, empfehlen wir den Einsatz von profilierten Wänden. Erstellen Sie das Wandprofil im Profil-Editor inkl. der Ausklinkung für das Deckenauflager.

22 Modellierung23 Raumflächen Einbauten wie z.B. halbhohe Holzwände sollten Sie nicht als Wand, sondern z.B. als Möbel klassifizieren. Eine halbhohe Installationswand sollten Sie hingegen als Wand definieren. Achten Sie bei diesen Wänden darauf, dass sie keine Wandbegrenzungen sind, sondern nur das Raumstempelvolumen reduzieren.
24 Decken

Decken

Variante 1: Erstellen Sie die Rohdecke getrennt vom Bodenaufbau. Als Klassifizierung wählen Sie im unteren Bereich unter Vordefinierter Typ “Baseslab” aus. Den Bodenaufbau legen sie dann als Extradecken raumweise oben auf die Rohdecke und wählen unter  Vordefinierter Typ “Floor” aus.

So können Sie einfach beide Elemente ein- und ausblenden und einfach berechnen

Variante 2 (Erst ab ARCHICAD 17 möglich):Erstellen Sie Rohdecke und Bodenbelag als ein komplettes Bauteil. Wenn Sie andere Bodenbeläge besitzen, sparen Sie diese Teile aus und erstellen Sie dort einen kompletten Deckenaufbau. ARCHICAD verschneidet die gleichen Baustoffe im Schnitt korrekt. Bei dieser Modellierung können Sie Belag und Decke nicht getrennt voneinander exportieren.

Abgehängte Decken können Sie auch mit dem Decken-Werkzeug erstellen. Weisen Sie Ihnen die Klassifizierung „Abgehängte Decke“ zu.

25 mehrschichtige Bauteile26 Strukturdarstellung

Mehrschichtige Wände und Putz

Da Sie das reale Raumvolumen und Raummaße angeben müssen, müssen Sie auch Putz oder andere Beläge mit modellieren. Legen Sie dementsprechend die Wände mit Bekleidung an und blenden Sie diese über die Strukturdarstellung aus, wenn Sie diese nicht sehen möchten oder den Rohbau bemaßen wollen.

Warum?

Ein Raum kann nur dann seine flankierenden Wände und damit auch die Türen, Fenster oder benachbarte Räume finden, wenn er an die Wand stößt. Deswegen dürfen Sie nicht den Raum um die Putzstärke von der Wand abrücken, denn dann hat der Raum keine Verbindung mehr zu der Wand.

Fliesenspiegel oder andere Beläge weisen Sie als Klassifizierung “Belag” zu.

27 Räume

Räume

Für den IFC-Export sind Räume sehr wichtig. Platzieren Sie immer Räume, wenn möglich mit der automatischen Erkennung. Manuell erstellte Räume müssen die Wände berühren.

Setzen Sie die Unterkante des Raumes auf die Rohdecke und geben Sie die Bodenaufbaudicke im Raumstempel ein.

Wenn Räume nicht durch Wände getrennt werden, nutzen Sie eine Linie zur Trennung der Räume. In allen Linien-Werkzeugen gibt es dazu die Checkbox „Raumflächen-Begrenzung“.

Wenn Sie nur ein grobes Modell für eine Kostenschätzung modellieren (z.B. keine Sanitärobjekte setzen), benennen Sie die Räume eindeutig, damit Sie später die Ausstattung dementsprechend definieren können.

Setzen Sie auch auf Balkone, Dachterrassen, Außenparkplätze und Aufzüge Räume.

28 BRIa

Bruttoflächen, BRI

In Versionen vor ARCHICAD 17 haben viele Anwender Brutto-Raumstempel benutzt, um BRI oder BGF zu berechnen. Benutzen Sie dafür ab ARCHICAD 17 das Morph-Werkzeug. Modellieren Sie mit dem Morph die Außenkubatur den Gebäudes nach und legen Sie fest, ob es der Bereich a, b oder c ist. ARCHICAD kann dann über Dokumentation > Auswertungen und Listen > Flächenberechnung das Volumen und die Flächen pro Geschoss und gesamt ausgeben.

Warum keine zusätzlichen Raumstempel?

Wenn Sie mehrere Raumstempel „übereinander“ platzieren, wissen die Bauelemente nicht, wozu sie gehören. Eine Tür kann angeben, von welchem Raum und in welchen Raum sie schlägt. Wenn aber weitere Räum darüber liegen, kann diese Auswertung fehlerhaft sein.

29 Gelände

Gelände und Umgebung

Modellieren Sie das Gelände der Umgebung mit dem Freiflächen-Werkzeug. Beim IFC-Export lässt sich dieses Gelände auch für den Export nutzen.

Für ArchiCARD Inhaber steht hier auch das Geländemodellierungstool zur Verfügung, mit dem Sie Aushübe etc. erstellen können.

30 Räume aktualisieren

Räume aktualisieren

Vor dem IFC-Export müssen Sie die Räume aktualisieren, damit die Beziehungen untereinander (Raum zu Raum, Raum zu anderen Bauteilen wie Türen, Fenster etc.) korrekt sind.

Gehen Sie dazu in jedes Geschoss und aktivieren Sie den Befehl „Räume aktualisieren“.

h.   Was soll übergeben werden/sichtbar sein?

Je nach Austauschpartner müssen Sie unterschiedliche Dinge übergeben, Während den Tragwerksplaner nur der Rohbau ohne Bekleidungen interessiert, benötigt der Haustechniker Räume, Fenster, Türen und Sanitärgegenstände. Erstellen Sie für den Austauschpartner ein Ausschnittset mit den korrekten Einstellungen.

Beachten Sie dabei die folgenden Einstellungen:

  • Ebenenkombination – blenden Sie die unnötigen Ebenen aus
  • Struktureinstellungen – wählen Sie die passende Struktureinstellung. Für den Haustechniker „komplettes Modell“, für den Tragwerksplaner „Nur der Kern der tragenden Elemente“.

Ab ARCHICAD 17 können Sie sowohl Geschosse wie auch das komplette Gebäude als IFC ausgeben. Erstellen Sie dafür die betreffenden Ausschnitte. Achten Sie bei 3D-Ausschnitten für die Übergabe über den Publisher darauf, dass auch die Räume mit angezeigt werden, wenn Sie diese mit ausgeben wollen.

i.   Wie muss der Übersetzer eingestellt werden?

31 Übersetzer Grundsätzlich bietet ARCHICAD einige voreingestellte Übersetzer. Jedoch sollten Sie diese Übersetzer vor dem Export überprüfen und ggf. anpassen.Es hat sich aber bewährt, die Übersetzer für Planungspartner oder Projekte anzupassen.Duplizieren Sie dazu einen Übersetzer und benennen ihn dann um, tragen Sie auch das Projekt und den Austauschpartner dazu ein – das macht es leichter, diesen Übersetzer später zu finden.

In den anderen Dokumentationen haben wir die Einstellungen der Übersetzer festgehalten und erklärt.