IFC Basierter OPEN BIM Arbeitsablauf – Teil 2

von GRAPHISOFT · aktualisiert am 17.11.2016

Das Management der IFC Eigenschaften in ARCHICAD

Es gibt vordefinierten IFC Eigenschaften für ARCHICAD-Elemente, die vom IFC Schema-Setup bestimmt wurden und man kann beliebig viele benutzerdefinierten IFC Eigenschaften erstellen. Wenn eine neue, benutzerdefinierte Eigenschaft definiert wird, kann man sich entscheiden, auf welche Ebene man die neue Eigenschaft hinzufügen möchte:

Level der Modellhierarchie

Es gibt eine vordefinierte Anpassung zwischen den ARCHICAD Eigenschaften und den existierenden IFC Eigenschaften, die Mapping heißt. Bestimmte Mapping-Regeln werden vom IFC Standard definiert, aber die Nutzer haben die Möglichkeit, das Mapping anzupassen und in bestimmten Grenzen ihre eigenen Regeln für Mapping zu erstellen. Sehen wir uns ein Beispiel an.

Man kann die Parameter der Brandschutz und der Schallschutz eines Fensters im Grundeinstellungsdialog unter den Fenster-Einstellungen/Zusätzlichen Listenparametern einstellen. Die Eigenschaften, die hier eingegeben werden, erscheinen auch unter den Kategorien und Eigenschaften:

Fire Rating

Im Einstellungsdialog unten in der Sektion Kategorien/Eigenschaften gibt es einen Knopf namens „IFC-Sachmerkmale verwalten“. Wenn man darauf klickt, öffnet sich das Fenster „IFC-Sachmerkmale verwalten“, wo man die Mapping-Regeln anschauen und bearbeiten kann.

IFC-Sachmerkmale verwalten

Wenn man auf den Knopf „Nur Elemente mit diesem Wert anzeigen“ oben rechts im Dialogfenster drückt, werden nur diejenigen Eigenschaften dargestellt, zu denen einen Wert zugeordnet ist. Wenn man auf den Knopf „Nur Schemaelemente anzeigen“ oben rechts im Dialogfenster drückt, werden nur diejenigen Eigenschaften dargestellt, die im aktuellen IFC-Schema vordefiniert sind. Die angepassten Eigenschaften sind mit einem Kettensymbol gekennzeichnet.

Wenn der angepasste Wert sich davon unterscheidet, was man erwartet, kann man manuell das überschreiben. In diesem Fall wird die Änderung des IFC-Sachmerkmals nicht auf den Wert der ARCHICAD-Eigenschaft auswirken, das Mapping funktioniert also rückwärts nicht.

Die IFC-Eigenschaften können in Schemen verwaltet und gespeichert werden. Mapping-Regeln können auch in diesen Schemen gesichert werden. Der Befehl „Datei > Interoperabilität > IFC > IFC Schema-Setup“ öffnet das Dialogfenster des IFC Schema-Setups, wo der Inhalt des Schemas, einschließlich das Daten-Mapping zwischen IFC und ARCHICAD Daten bestimmt werden kann.

Im IFC Schema-Setup Dialogfenster sind alle Elemente (wie z. B. Bauelemente, HKLSE-Elemente, usw.) in einer hierarchischen Strukturansicht organisiert, die aufgrund des IFC-Codes gestaltet ist. Der mittlere Teil des Dialogs zeigt die Eigenschaften, die für das auf der linken Seite ausgewählte Element im aktuellen Schema zur Verfügung stehen. Die Eigenschaften werden in Eigenschaften-Sets gruppiert. Man kann so viele benutzerdefinierten Eigenschaften erstellen, wie man möchte. BuildingSMART, der Entwickler des IFC Standard Codes bietet eine Voreinstellung von Eigenschaften für verschiedene Elementtypen. Eigenschaften-Sets, deren Namen mit „Pset“ beginnen, speichern solche standardmäßigen Eigenschaften. Zum Beispiel zeigt das Eigenschaften-Set „Pset-WindowCommon“ diejenigen Eigenschaften an, die für Fenster von den IFC Code-Entwicklern vorgeschlagen sind. Dieses Set enthält sowohl die vorher vorgestellten Schallschutz-, als auch die Brandschutz-IFC-Eigenschaften.

Die Eigenschaften können zu IFC Einheiten zugeordnet werden, die sich auf verschiedenen Ebenen befinden: eine IFC Eigenschaft kann zu einem ausgewählten Element (z.B. IfcWindow) zugewiesen werden – in diesem Fall wird sie im Mittelfeld des IFC Schema-Setups schwarz dargestellt.  Eigenschaften können auch auf ein höheres Niveau hinzugefügt werden, auf der Ebene vom IfcElement oder IfcProduct. Wenn die Eigenschaft auf einem höheren Niveau zugewiesen ist, als was auf der linken Seite im IFC Schema-Setup ausgewählt ist, wird die Eigenschaft blau dargestellt. Wenn die relevante Ebene in der Baumstruktur ausgewählt ist, wird das Attribut mit schwarzer Farbe geschrieben. Die Ebene, auf der die Eigenschaft zugeordnet wurde, wird auch nach dem Namen der Eigenschaft in Klammern angezeigt. Die Attribute können auf der Ebene bearbeitet werden, wo sie definiert wurden. Benutzerdefinierte Eigenschaften, die nicht vom aktuellen Schema definiert wurden, werden mit einem roten Kreuz vor ihren Namen markiert und können gelöscht werden, wenn man auf den Kreuz drückt.

Schema-Setup

Am Ende der Reihe der Eigenschaften zeigt das Kettensymbol, dass ein Mapping zu der Eigenschaft gehört.  Wenn man das Attribut „FireRating“ auswählt, zeigt das Dialogfenster oben rechts die gültige Regeln für die Eigenschaft nach Priorität und unten rechts den Inhalt dieser Regeln. Die Priorität der Regeln bedeutet, dass die erste Regel angewandt wird, wenn ihrer Parameter erreichbar ist. Wenn nicht, dann wird die Nächste angewandt, usw.

Um einen Auswertungsparameter als eine Regel zuzuordnen, muss man auf den Knopf „Inhalt hinzufügen…“ drücken und nach dem Fensterparameter in der erscheinenden List suchen.

Bibliothekselement unabhängig

Ein GDL-Parameter kann zu einer IFC-Eigenschaft auf zwei Arten zugeordnet werden: als vom Bibliothekselement abhängige Angabe oder als vom Bibliothekselement unabhängige Angabe. Wenn man die vom Bibliothekselement abhängige Angabe wählt, wird das nur für diejenigen Elemente im Projekt gültig, die bei der Modellierung dieses Bibliothekselement benutzt haben. Wenn man die vom Bibliothekselement unabhängige Angabe wählt, wird es für alle modellierte IFC-Fenster gültig, die das Parameter „gs_list_firerating“ benutzen.

Regel können auch auf der Ebene des Elements oder auf höheren Ebenen definiert werden. Also, zum Beispiel, wenn das vom Bibliothekselement unabhängige Brandschutz GDL-Parameter auf der IFC-Element Ebene zugeordnet ist, wird der Parameterwert nicht nur für Fenster benutzt, sondern für alle Bauelemente, HKLSE-Elemente, usw., die den GDL-Parameter „gs_list_firerating“ haben.

 

Klassifizierungsreferenz

Neben den Eigenschaften und zuzüglich des ARCHICAD Klassifizierungssystems kann man eine Klassifizierungsreferenz zu den Elementen zuordnen, um die Objekte nach allgemeinen Regeln in Klassen oder Kategorien einreihen zu können oder so, dass diese Objekte irgendwelches gemeinsames Merkmal haben. Die Klassifizierungsreferenzen schränken zum Beispiel aufgrund ihrer Funktion in den verschiedenen örtlichen Standards (wie UNICLASS in Großbritannien, OMNICLASS in der USA, NATSPEC in Australien, CBI in Neuseeland, TALO in Finnland, BSAB in Schweden, usw.) die Nomenklatur der Bauelemente und Räume ein. Es gibt einige Klassifizierungsstandards, die in ARCHICAD zur Verfügung stehen:

Klassifizierungsreferenz_Liste

In diesem Beispiel ist die Produktklassifizierung des Standards „Uniclass 2“ als Klassifizierungsreferenz für Fenster gesetzt. Um diesen Standard auswählen zu können, muss man das Dialogfenster des bestimmten Fensters öffnen, dann auf den Knopf „IFC-Sachmerkmale verwalten“ im Kategorien und Eigenschaften/IFC Sachmerkmale drücken und im erscheinenden Fenster die Option „Vordefinierte Regel anwenden“ wählen.

Im Dialogfenster „Vordefinierte Regel anwenden“ kann man den passenden Klassifizierungsstandard auswählen. In diesem Beispiel wurde die Tabelle „Pr – Products“ gewählt. Man kann eine geeignete Kategorie für Holzfenster suchen (z.B. „Hardwood Window…“) und auf „Anwenden“ klicken.

Klassifizierungsreferenz

Als Ergebnis wird die ausgewählte Einheit mit einer Identifikationsnummer und einem Namen zu der Uniclass 2 Klassifizierungsreferenzangabe des aktuellen Schemas hinzugefügt. Wenn man die Details der Angabe überprüft, sieht man, dass es neben den Hauptdaten (ID und Name) mehrere Informationen im Klassifizierungsstandard gibt, wie z.B. der Name des Standards, die Version und das Ausgabedatum.

Klassifizierungsreferenz 2

Typen

Der IFC-Code ermöglicht, Elemente aufgrund deren gemeinsamen IFC-Eigenschaften zu gruppieren. Das Gruppieren wird durch die Zuordnung von Elementen zu sogenannten IFC Typ Produkten gemacht. Ein Typ Produkt definiert bestimmte Stile/Typen von Einheiten durch Verknüpfen diesen mit ihren gemeinsamen IFC Eigenschaften. Ein IFC Typ Produkt ist zum Beispiel IfcWindowStyle, zu welchem viele Fenster gehören. IFC Typ Produkten haben Attribute und Eigenschaften genauso, wie die IFC Elemente. ARCHICAD erzeugt automatisch IFC Typ Produkt Elemente für alle ARCHICAD Elementtypen. Die Tabelle zeigt die voreingestellten Benennungsbeispiele, die die automatische IFC Typ Erzeugung steuern.

Typ Produkten

Man kann das auch im IFC-Manager sehen:

IFC Typ Produkten 2

ARCHICAD wird zum Beispiel automatisch die Fenster sammeln, die während der Modellierung das gleiche Bibliothekselement in der gleichen Gruppe benutzen und so den gleichen IfcWindowStyle haben.

Die Zuordnung der Regeln ist natürlich bearbeitbar. Man möchte zum Beispiel im Projekt aufgrund des Bibliothekselement-Namen und aufgrund der Größe die Fenster klassifizieren. Die Regel können im IFC Schema-Setup (Datei > Interoperabilität > IFC > IFC Schema-Setup…) verwaltet werden. Wenn man die Regel bearbeiten möchte, die die Elemente aufgrund des Bibliothekselement-Namen einordnet, muss man eine neue Regel definieren. Dafür muss man auf den Knopf „Neue Regel“ im IFC Schema-Setup drücken. Man kann den Inhalt der Regel bestimmen, wenn man auf den Knopf „Inhalt hinzufügen…“ drückt und die gewünschte Parameter aus der Baumstruktur wählt. Hier hat man die Möglichkeit, Parameter, Eigenschaften, Bibliothekselement-Parameter und statischen Texte auszuwählen und hinzuzufügen. Texte dienen zum Aufteilen der Parameter im Attributnamen, so dass die Tabelle besser durchschaubar wird.

Typ_Benennungsregeln

Nach der Aktualisierung der IFC Manager Liste werden die Elemente auf die neue Art mit den neuen Namen dargestellt, so, dass sie zu den IFC Typ Produkten zugeordnet sind.

Neue Typen

Der IFC Manager kann auch für die Navigation innerhalb des Projekts benutzt werden. Man kann zum Beispiel einfach die Fenster finden, die zu einem bestimmten IfcWindowStyle zugeordnet sind: man muss nur den Typ öffnen, seine Mitglieder auswählen und danach auf den Knopf „Filter für gewählte(s) Element(e)“ drücken und die Fenster werden sofort in der aktuellen Ansicht ausgewählt.

Man kann in verschiedenen Modellüberprüfer-Anwendungen (wie z.B. Solibri Model Viewer) die IFC-Datei anschauen und zum Beispiel die Eigenschaften eines exportierten Fensters prüfen. Man kann die Werte der IFC Eigenschaften sehen, die von GDL-Parametern (Brandschutz, Schallschutz) zugeordnet sind. Unter Klassifizierung kann man die Produktkategorie Uniklass 2 „Hardwood Window Sub-Frames“ sehen. Wenn man zu der Komponentenhierarchie wechselt, sieht man die exportierten Fensterstile (mit den formatierten Namenattributen) unter der Gruppe „Fenster“ in der Baumstruktur aufgelistet. Die Typen enthalten natürlich diejenigen Fenster auch, die ARCHICAD nach der benutzerdefinierten Regel zu denen zugeordnet hat.

in Solibri